Was ist BVP?

Patient im Fokus: Patientenverfügung 2.0

Medizinische Behandlung sollte patienten-zentriert, also konsequent am Willen des Patienten orientiert sein – auch dann, wenn Patienten ihren Willen aktuell nicht äußern können. Was so selbstverständlich klingt, fast trivial, ist bei genauem Hinsehen eine Herausforderung, die von der Realität vielfach weit entfernt ist. Das hierfür schon vor 50 Jahren entwickelte Instrument der Patientenverfügung ist bisher ein stumpfes Schwert; die in den verbreiteten Formularen enthaltenen Festlegungen sind oft nichtssagend und bleiben daher in der Praxis meist unwirksam, und zudem verstehen die mit den Patientenverfügungs-Formularen alleingelassenen Patienten häufig nicht, was darinsteht.

Die Folge ist: Menschen, die lebensbedrohlich erkranken, werden zu Objekten der dem Ziel der Lebensverlängerung um nahezu jeden Preis verpflichteten Akutmedizin, ohne dass bekannt wäre, ob diese Menschen dem zugestimmt – oder aber es vorgezogen hätten, mit palliativer Begleitung sterben zu dürfen. Häufig handelt es sich hierbei um die vulnerable Gruppe hochbetagter, chronisch kranker und / oder fragiler Menschen, die Risiken oder Belastungen durch medizinische Behandlungen erfahrungsgemäß nicht selten ablehnen, wenn man sie fragt – auch dann, wenn eine Aussicht auf Erfolg gegeben wäre. Ungewollte Behandlung in erheblichem Umfang ist daher oft die Folge.

Advance Care Planning, zu Deutsch: Behandlung im Voraus Planen (BVP) ist ein neues Konzept, eine gänzlich neue Herangehensweise an Patientenverfügungen. Sie wurde in den 1990er Jahren in den USA entwickelt, um dem Patientenwillen nachhaltig zur Geltung zu verhelfen, und ist mittlerweile in vielen westlichen Ländern erfolgreich und zunehmend verbreitet (vgl. zum Beispiel www.respectingchoices.org.). BVP hat zum Ziel, dass Menschen so behandelt werden, wie sie das möchten – auch dann, wenn sie sich nicht mehr selbst äußern können.

Im Zentrum der Neuerung steht die Erkenntnis, dass Gesundheitsfachkräfte ein qualifiziertes Gespräch mit Menschen führen müssen, um gemeinsam mit ihnen im Voraus herauszufinden, ob sie im Fall einer gesundheitlichen Krise mit dem Ziel der Lebensverlängerung behandelt werden wollen und wenn ja, welche Risiken und Belastungen sie dabei zu tragen bereit sind. Solche BVP-Gespräche dauern typischerweise 1-2 Stunden, und in der Regel sind mehrere solcher Gespräche erforderlich, bis die vorausplanenden Personen sich ihres Behandlungswillens ausreichend sicher sind; dann kann eine aussagekräftige Patientenverfügung verfasst werden, die korrespondierend zu dem Gespräch Raum für individuelle, klinisch relevante Festlegungen enthält.

BVP ist also gemeinsame Entscheidungsfindung (Shared Decision Making) für den Fall künftiger gesundheitlicher Krisen, und spezifisch qualifizierte nicht-ärztliche ACP-Gesprächsbegleiter (Englisch: facilitators) sind eine neue Rolle im Gesundheitswesen. Der Prozess der Gesprächsbegleitung ist – anders als z.B. ein Testament – damit nicht etwa abgeschlossen. Vielmehr wird er ein Leben lang regelmäßig wiederaufgenommen, sei es aus gegebenem Anlass oder weil eine Zeit von wenigen Jahren verstrichen ist.

Damit sich unsere tief verwurzelte Gesundheitskultur künftig so im Sinne einer konsequenten Patienten-Zentrierung verändert, dass allen Personen gewisser Zielgruppen BVP angeboten werden und die von diesen Personen dabei geäußerten und dokumentierten Wünsche auch tatsächlich Berücksichtigung finden, ist nicht weniger als ein kultureller Wandel erforderlich. Dazu sieht BVP konzeptionell neben einer qualifizierten Gesprächsbegleitung auf der Mikro-Ebene auch einen systematischen Implementierungsprozess auf der (institutionellen) Meso- und (regionalen) Makro-Ebene vor, also von Pflegeheimen, Hausarztpraxen, Rettungsdiensten, Krankenhäusern usw. und in deren Miteinander. Alle diese Akteure eines regionalen Netzwerks bedürfen regelmäßiger Informationen und Schulungen, damit sich die konsequente Patienten-Zentrierung von BVP tatsächlich durchsetzt. Dieser Veränderungsprozess ist sehr aufwendig und bedarf der professionellen Steuerung durch einen BVP-Koordinator.

„Unser Anliegen ist, dass Sie künftig so behandelt werden,
wie Sie das wollen – auch wenn Sie sich einmal nicht
mehr selbst äußern können.“

Empfohlene Gesprächseinleitung für DiV-BVP-zertifizierte Gesprächsbegleiter

ÜBER UNS: DIE DIV-BVP E.V.

Gemeinsam konsequent für patienten-zentriertes Handeln

Aus der Präambel der DiV-BVP e.V.
„Die Deutschsprachige interprofessionelle Vereinigung – Behandlung im Voraus Planen (DiV- BVP) e.V. wird mit dem Ziel gegründet, das […] bisher überwiegend in anglo-amerikanischen Ländern verbreitete Konzept ACP / BVP auch im deutschsprachigen Raum unter Berücksichtigung der hier gegebenen sozio-kulturellen und rechtlichen Besonderheiten zu etablieren. Damit verbindet sich die Erwartung eines durch die Implementierung von BVP teils initiierten, teils unterstützten kulturellen Wandels im Gesundheitswesen infolge der BVP-immanenten konsequenten Patientenorientierung der Entscheidungsprozesse, auch im Feld der potenziell lebensverlängernden Therapie.

Zur Förderung einer wissenschaftlich fundierten und im gesamten Sozial- und Gesundheitswesen integral etablierten Verankerung von BVP erfolgen die Maßnahmen des Vereins in enger Zusammenarbeit mit den einschlägig hiervon berührten Verbänden und wissenschaftlichen Fachgesellschaften im deutschsprachigen Raum sowie mit der Internationalen Gesellschaft für Advance Care Planning“ (Advance Care Planning International, ACP-I).

Vorstand

Geschäftsführender Vorstand

Vorsitzender:

Univ.-Prof. Dr. med. Friedemann Nauck

Direktor Klinik für Palliativmedizin
Georg-August-Universität Göttingen

Robert-Koch-Straße 40
37075 Göttingen

Tel. +49 551 39 10500
Fax +49 551 39 10502

Friedemann.Nauck@med.uni-goettingen.de
www.palliativmedizin.uni-goettingen.de

Stellvertretende Vorsitzende:

Monika Obrist

RN, Palliative Care, MSc OE

Präsidentin palliative ch
Geschäftsleiterin palliative zh+sh

Arterstrasse 28
CH – 8032 Zürich
Schweiz

Tel. +44 240 16 20

monika.obrist@pallnetz.ch
www.palliative.ch 
www.pallnetz.ch

Schriftführer

Univ.-Prof. Dr. med. Jürgen in der Schmitten, MPH

Leiter des Forschungsschwerpunkts Advance Care Planning
Institut für Allgemeinmedizin (ifam)
Medizinische Fakultät der Heinrich-Heine-Universität

Werdener Str. 4
40227 Düsseldorf

Tel. +49 211 811 6816
Fax +49 211 811 8755

www.uniklinik-duesseldorf.de

Schatzmeister:

Univ.-Prof. Dr. med. Georg Marckmann, MPH

Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin

Lessingstr. 2
80336 München

Tel. +49 89 2180 72775
Fax +49 89 2180 99 72775

marckmann@lmu.de
www.egt.med.uni-muenchen.de

Erweiterter Vorstand

Dr. med. Ingmar Hornke, DEAA

Gesellschafter-Geschäftsführer (alleinvertretungsberechtigt)
Würdezentrum gemeinnützige UG (haftungsbeschränkt)

Geleitsstraße 14
60599 Frankfurt am Main

Tel. +49 69 1302 556 280
Fax +49 69 1302 556 281

ingmar.hornke@wuerdezentrum.de
www.wuerdezentrum.de

Prof. Dr. med. Dipl. Soz. Tanja Krones

Leitende Ärztin Klinische Ethik
Universitätsspital Zürich/Universität Zürich / DERM E 6

Gloriastrasse 31
CH-8091 Zürich
Schweiz

Tel. +41 44 25 53470
Mobile +41 79 9380332

Tanja.Krones@usz.ch
http://www.ibme.uzh.ch

Kirsten Wolf

Bachelor of Science (B.Sc.), Pflege- und Case Management
Leitung Würdezentrum, Projektleitung Advance Care Planning
Würdezentrum gUG (haftungsbeschränkt)

Geleitsstraße 14
60599 Frankfurt am Main

Tel. +49 69 1302 556 280
Fax +49 69 1302 556 281

info@wuerdezentrum.de
www.wuerdezentrum.de

Arbeitsgruppen

Der Verein kann Arbeitsgruppen bilden, die sich einem bestimmten Thema zuwenden und an deren Arbeit alle fachlich qualifizierten Mitglieder teilnehmen können. Aktuell aktive Arbeitsgruppen und ihre Sprecher/innen finden Sie hier.

Fachbereiche

Der Verein kann sich in Fachbereiche gliedern. Hierbei kann es sich um Professionen wie Medizin, Pflege, Soziale Arbeit etc. oder auch um verschiedene Disziplinen innerhalb einer Profession handeln. Aktuell aktive Fachbereiche und ihre Sprecher/innen finden Sie hier.

GÜTESIEGEL DIV-BVP

Weil BVP bedeutet, eine hohe Verantwortung zu übernehmen

Wenn Patientenverfügungen in der Vergangenheit ein stumpfes Schwert und oft nicht geeignet waren, dem Patientenwillen in gesundheitlichen Krisensituationen zur Durchsetzung zu verhelfen, dann ist BVP eine scharf geladene Waffe. BVP kann Menschen vor ungewollter medizinischer Therapie bewahren, wenn es verantwortungsvoll praktiziert wurde – aber BVP kann umgekehrt auch zu fatalen Fehlern und Irrtümern im Sinne der Unterlassung eigentlich gewünschter Maßnahmen führen, wenn der Prozess der Gesprächsbegleitung nicht mit Sachverstand und großer Kompetenz gesteuert wurde.

Es ist ein auch international verbreitetes und wohl auch verständliches Phänomen, dass Experten, die sich schon lange mit dem Thema Patientenverfügung befassen, automatisch davon ausgehen, auch BVP verstehen und anderen beibringen zu können. Die Erfahrung lehrt aber, dass dem nicht so ist.

BVP erfordert ein grundsätzliches Umdenken und eine intensive, strukturierte Schulung sowohl von Gesprächsbegleitern als auch insbesondere von künftigen BVP-Trainern (Dozenten). Aus Sicht der DiV-BVP ist dringend davor zu warnen, dass Dozenten BVP unterrichten, die nicht selbst ein spezifisches BVP-Training vorweisen können. Falsch verstandenes BVP schadet im günstigsten Fall dem Konzept BVP, weil es keine Wirksamkeit entfalten wird und nur unnütz Ressourcen verbraucht; im schlimmsten Fall kommen Menschen zu schaden, die aufgrund falscher Beratung Festlegungen gemacht haben, die gar nicht ihren wahren Absichten und Wünschen entsprachen, und gemäß dieser Festlegung (nicht) behandelt werden.

Das BVP-Modell der DiV-BVP geht auf das US-amerikanische Advance Care Planning Programm Respecting Choices sowie auf das damit eng verwandte australische Programm Respecting Patient Choices zurück. Was zunächst (in Deutschland) „beizeiten begleiten“ und (in der Schweiz) „advance care planning medizinisch begleitet“ hieß, wurde im Jahr 2017 zu dem gemeinsamen BVP-Modell der DiV-BVP zusammengefügt und wird seither unter ihrem Dach kontinuierlich weiter entwickelt. Die Entwicklerinnen und Entwickler dieser beiden BVP-Modelle, die dem heutigen BVP-Modell der DiV-BVP zugrunde liegen, sind in den USA bzw. Australien zu Gesprächsbegleitern und Trainern der dortigen Modelle („ACP-Programs“) ausgebildet und regelrecht zertifiziert worden und haben ihre Kenntnisse und Kompetenzen seither in aufwendigen Kursen an andere weitergegeben. Sie stehen durch Vernetzungen mit der Internationalen Fachgesellschaft für Advance Care Planning (www.acpi.org) auch weiterhin im engen Kontakt mit BVP-Experten anderer Länder.

Für das Gelingen und die Vertretbarkeit von BVP ist es entscheidend, dass die regionalen Akteure (also Leistungserbringer wie medizinisches und Pflege- sowie Rettungsdienstpersonal) sich fest darauf verlassen können, dass ein definierter Standard in der BVP-Gesprächsbegleitung eingehalten worden ist, auf deren Dokumentation sie in einer Krisensituation ihre Entscheidung stützen sollen. Dringend wünschenswert ist auch eine mindestens regional, besser aber bundesweit einheitliche Dokumentation des Patientenwillens.

Die BVP hat dafür Konzepte entwickelt und wirbt dafür, dass diese Konzepte regional und möglichst auch bundesweit, ja sogar im deutschsprachigen Raum länderübergreifend einheitlich eingesetzt werden. Eine Zertifizierung der DiV-BVP für BVP-Gesprächsbegleiter, und BVP-Koordinatoren sowie deren Trainer ist ein Gütesiegel, auf das Verlass ist. Das begründet auch, warum nicht alle Interessenten zu den Kursen der DiV-BVP zugelassen und warum nicht alle Kursteilnehmer zertifiziert werden. Die DiV-BVP-zertifizierten Trainer übernehmen mit ihrer Zertifizierung Verantwortung für die Qualität der von ihnen zertifizierten Gesprächsbegleiter.

Einrichtungen sowie insbesondere Träger und Regionen, die BVP einführen wollen, gar in größerem Maßstab zur Umsetzung des § 132g SGB V  und darüber hinaus, sind daher gut beraten, die Qualifizierung der für BVP avisierten Mitarbeiter nicht einfach irgendwelchen Instituten und Dozenten anzuvertrauen. Aus Sicht der DiV-BVP ist es fahrlässig, dass der § 132g SGB V keinerlei Anforderungen an die Qualifizierung von BVP-Trainern stellt und kein Akkreditierungsverfahren gefordert hat. BVP-Implementierungen, deren Qualifizierungsverfahren sich bei genauer Nachprüfung als nicht qualitativ gesichert erweisen, können sich für Einrichtungen bzw. Träger als Bumerangs erweisen, wenn es zu gravierenden Zwischenfällen kommt. Bitte prüfen Sie, inwiefern die von Ihnen avisierten Dozenten eine BVP-spezifische Qualifizierung vorweisen können. Wenden Sie sich an die DiV-BVP, wenn Sie ihre Mitarbeiter nach diesen Standards qualifiziert wissen wollen, die im Einklang mit der internationalen Entwicklung von Advance Care Planning stehen.

Mitglied werden

Werden Sie Teil einer starken Gemeinschaft!

Bis BVP ein selbstverständliches, integrales Element unserer Gesundheitsfürsorge ist, werden Jahrzehnte vergehen, ähnlich wie es in der Palliativmedizin der Fall war. Erst wenn man BVP konsequent verfolgt, wird deutlich, wie groß und vielfältig die Widerstände gegen eine Patienten-Zentrierung medizinischer Behandlung auch im Krisenfall häufig noch sind.

Die Mitgliedschaft in der DiV-BVP erleichtert Ihnen den Zusammenschluss mit Gleichgesinnten im Sinne einer regionalen und überregionalen Vernetzung. Sie haben Zugang zu den Kursen der DiV-BVP, und als DiV-BVP-zertifizierter Gesprächsbegleiter stehen Ihnen stets die aktuelle Version der von der DiV-BVP entwickelten Dokumente zur Vorausplanung zur Verfügung. Sie finden bei uns Informationen über einschlägige Veranstaltungen sowie über für BVP relevante Publikationen.

Zum Mitgliedsantrag geht es hier. 

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Spenden

Helfen Sie, dass die DiV-BVP Wirkung entfalten kann!

Die DiV-BVP ist eine junge Bewegung, die bisher überwiegend von ehrenamtlichem Engagement lebt und dringend der Unterstützung durch Spenden bedarf. Wenn Sie die Möglichkeiten haben zu helfen und wenn Sie unterstützen möchten, dass Patienten künftig so behandelt werden, wie sie das wollen, auch wenn sie sich selbst nicht mehr äußern können, dann spenden Sie bitte an:

Stiftungsfond Würde im Leben – bis zuletzt!
Verwendungszweck: DiV-BVP
IBAN DE 7953 0601 8000 0112 1120
VR Genossenschaftsbank Fulda

International

Von anderen lernen –
gemeinsam sind wir stark!

Die DiV-BVP steht in enger Verbindung mit Advance Care Planning International (ACP-I), dem internationalen Zusammenschluss von Menschen und Organisationen, die BVP in ihren jeweiligen Ländern voranbringen wollen, insbesondere auch durch Forschung und Entwicklung.

Besuchen Sie die Webseite der ACP-I und beachten Sie insbesondere den in den ungeraden Jahren 2-jährlich stattfindenden internationalen Kongress:

www.acpi-i.org

Kontakt

DiV-BVP e.V.
c/o Würdezentrum gUG

Geleitsstraße 14
60599 Frankfurt am Main
Tel: 069 13 02 55 62 80
info@div-bvp.de

Telefonische Erreichbarkeit 
Mi von 9.00 – 11.00 Uhr
Tel: 069 – 13 02 55 62 80