Vorausplanung für den Notfall

FAQs für Ärzte

Warum ist eine Vorausplanung für den Notfall sinnvoll?

Ein Notfall ist ein Ereignis, das mit einer akuten Bedrohung des Lebens einhergeht und schnelle Entscheidungen erfordert. Der Betroffene selbst kann in der Notfallsituation häufig nicht (mehr) selbst über seine Behandlung entscheiden. Patientenverfügungen sind oft nicht vorhandenen oder enthalten keine eindeutige Aussage für den Notfall. Viele Angehörige, aber auch rechtliche Vertreter sind in der Situation überfordert und/oder wissen nicht, was sich der Betroffen für diese Situation wünschen würde.

Wenn der Wille des Patienten nicht bekannt ist und dieser sich selbst nicht äußern kann, wird zunächst, im Rahmen des medizinisch Indizierten, mit den lebenserhaltenden Maßnahmen begonnen, auch wenn der Patient dies nicht gewollt hätte. Die frühzeitige Notfallplanung kann dazu beitragen, der medizinischen Situation des Betroffenen nicht angemessene Über- oder Untertherapien oder vom Patienten nicht gewollte Behandlungen zu vermeiden. Daneben kann sie zur Verringerung der psychischen Belastung der Angehörigen und andern an den Notfallsituationen Beteiligten beitragen.

Wie unterstützen der Leitfaden und die Dokumentation bei der Notfallplanung?

Der Leitfaden und die damit verbundene Dokumentation sollen eine strukturierte, transparente Entscheidungsfindung unterstützen, die sowohl die Indikation als auch den Patientenwillen für den Notfall einbezieht. Dadurch sollen der medizinischen Situation des Betroffenen nicht angemessene Über- oder Untertherapien oder vom Patienten nicht gewollten Behandlungen vermieden werden.

Der Leitfaden gibt daher Orientierung sowohl bei der Indikationsstellung als auch bei der Ermittlung des Patientenwillens. Die Dokumentation bietet die Möglichkeit, das Ergebnis anwendungstauglich und nachvollziehbar zu dokumentieren, so dass es für alle an der Versorgungskette Beteiligten aussagekräftig ist und die Handlungssicherheit in einer Notfallsituation erhöht.

Welche Rolle hat der (Haus-) Arzt bei der Vorausplanung?

Der (Haus-) Arzt spielt eine wichtige Rolle bei der Vorausplanung. Seine Aufgabe ist es, mit dem Vorausplanenden über die gesundheitliche Situation zu sprechen, darüber aufzuklären, welche Therapieziele aufgrund der gesundheitlichen Situation möglich sind und welche Erfolgssausichten bestimmte medizinische Maßnahmen haben. Im zweiten Schritt sollte er den Vorausplanenden dabei unterstützen, sich eine Meinung über die Behandlung für zukünftige Situationen zu bilden. Dafür hat sich ein Gespräch über die „Einstellungen zu Leben, schwerer Krankheit und Sterben“ als sehr hilfreich erweisen. Auf Grundlage dieser Therapiezielklärung kann das Vorgehen in verschiedenen medizinischen Situationen, wie z.B. im Notfall, besprochen und vorausgeplant werden.

Die Unterschrift des Hausarztes unter den Dokumenten macht die Beratung durch ihn für Dritte nachvollziehbar und trägt zur Verbindlichkeit der Festlegungen bei.

Hausärzte, die den durch den „Leitfaden zur ambulanten patienten-zentrieten Vorausplanung für den Notfall“ zur Verfügung gestellten Notfallbogen nutzen wollen, wird empfohlen, die internetbasierte Einführung der DIV-BVP zu nutzen.  In Einrichtungen der stationären Altenhilfe und der Eingliederungshilfe sollten die Hausärzte bei der Erstellung der Notfallpläne Hand in Hand mit dort tätigen qualifizierten Gesprächsbegleitern gemäß § 132g SGB V arbeiten.

Welche Rolle hat der (Haus-)Arzt, wenn die Gespräche in Einrichtungen von „nicht-ärztlichen“ Gesprächsbegleitern geführt wurden?

Zunehmend bieten, gemäß § 132g SGB V zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung, Einrichtungen der stationären Alten- und der Eingliederungshilfe Gespräche zur gesundheitlichen Versorgungsplanung durch nicht-ärztliche Gesprächsbegleiter an. Sofern diese Gesprächsbegleiter gemäß dem Konzept der DiV-BVP qualifiziert worden sind, geht die dabei erstellte Vorausplanung inhaltlich über die Notfallsituation hinaus.

Der Hausarzt ist in der Regel in diese Prozesse mit eingebunden. Er prüft die Einwilligungsfähigkeit, kann Bezug auf die bisherige Krankengeschichte des Betroffenen nehmen und spezifische medizinische Fragen (er)klären. Durch seine Unterschrift auf dem Notfallbogen wird dieser zu einer „Ärztlichen Anordnung für den Notfall (ÄNo)“, und seine Unterschrift auf der Patientenverfügung gewährleistet ein Vier-Augen-Prinzip, das zusätzliche Sicherheit bedeutet und die Qualität der Vorausverfügung erhöht.

(Haus-) Ärzte können auch allein den gesamten Umfang der BVP-Gespräche nach den Standards der DiV-BVP führen, wenn sie eine entsprechende Qualifizierung erworben haben. Hausärzte, die (nur) den zur Verfügung gestellten Notfallbogen nutzen, wird empfohlen, die entsprechende internetbasierte Einführung der DIV-BVP zu nutzen. In Einrichtungen der stationären Altenhilfe und der Eingliederungshilfe sollten die Hausärzte bei der Erstellung der Notfallpläne Hand in Hand mit den dort tätigen Gesprächsbegleitern arbeiten.

Wo finde ich die Dokumentation und wo kann ich sie herunterladen?

Die aktuelle Dokumentation für die ambulante Notfallplanung mit ambulant tätigen Ärzten finden Sie auf der Internetseite der DiV-BVP. Es wird dringend empfohlen, dass beratende Ärzte sich vor der Nutzung dieser Dokumente durch die im Internet abrufbare, kostenlose „Einführung“ und die darauf aufbauenden vertiefenden Module dafür spezifisch qualifizieren.

Die Dokumentationen für eine über den Notfall hinausgehende, umfassende Vorausplanung nach den Standards der DiV-BVP ist nur speziell dafür qualifizierten Gesprächsbegleitern zugängig. Diese Qualifizierungen stehen auch Ärzten offen.

Wie zeitaufwendig ist eine Vorausplanung für den Notfall?

Der Zeitaufwand für die Vorausplanung für den Notfall hängt stark von den kognitiven Fähigkeiten des Vorausplanenden ab, meist sind zwei oder mehrere Gespräche dafür notwendig. Meist dauert es ca. 45 Minuten bis zu 1,5 Stunden, um über Indikationen und Prognose zu informieren, die Einststellungen des Betroffenen kennenzulernen, die Angehörigen miteinzubeziehen und die Wünsche des Betroffenen für die Notfallbehandlung zu dokumentieren.

In der Praxis hat sich gezeigt, dass die Gespräche im Rahmen der Vorausplanung zeitaufwendig sind. In und nach einer Krise besteht dann jedoch deutlich weniger Gesprächsaufwand, da die Situation bereits durchdacht wurde. Insbesondere sind auch die Angehörigen besser vorbereitet und vielfach weniger belastet.

In zahlreichen Einrichtungen der stationären Altenhilfe und der Behindertenhilfe gibt es bereits qualifizierte Gesprächsbegleiter, die mit den Ärzten Hand in Hand arbeiten (link). In diesen Fällen werden sie den Gesprächsprozess initiieren und große Teile der Kommunikation insbesondere zur Ermittlung des Bewohnerwillens und der Einbindung der Angehörigen und Vorsorgebevollmächtigten / Betreuer übernehmen. Aufgrund des umfänglicheren Inhalts der Vorausplanung dauert der gesamte Gesprächsprozess hier meist 1-3 Stunden. Dabei reduziert sich der Zeitaufwand für den ärztlichen Anteil an der Vorausplanung jedoch erheblich.

Wie kann ich mich zum Thema weiterbilden?

Ärzten, die (nur) die Notfallplanung entsprechend dem durch die sechs Fachgesellschaften entwickelten Leitfaden anbieten wollen, wird empfohlen, sich zunächst in einer Online-Einführung  von 1,5 Stunden unentgeltlich über die Inhalte und Vorgehensweise dabei zu informieren. Diese kurze Online-Einführung bietet neben einem Vortrag auch Raum für Fragen und den Austausch untereinander.

Auf diese Einführung aufbauend gibt es verschiedene Module zur Vertiefung der Vorausplanung für den Notfall.

Die Termine sind jeweils auf der Website der DIV-BVP zu finden. Für Rückfragen steht die Geschäftsstelle gerne zur Verfügung (info@div-bvp.de).

Ärzte, die den gesamten Umfang der Vorausplanung nach den Standards der DiV-BVP anbieten möchten, können die Qualifizierung zum Gesprächsbegleiter zur nutzen.

 

Weiterführende Fachliteratur

Coors, Jox, in der Schmitten, Advance Care Planning. Von der Patientenverfügung zur gesundheitlichen Vorausplanung, Kohlhammer 2015

Feddersen B et al. Advance Care Planning- „Behandlung im Voraus planen“ in der Notfallmedizin; Notfallmedizin up2date 2018; 13: 23–36

in der Schmitten J, Rothärmel S, Rixen S et al. Patientenverfügungen im Rettungsdienst (Teil 2). Neue Perspektiven durch Advance Care Planning und die „Hausärztliche Anordnung für den Notfall“. Notfall Rettungsmed 2011; 14: 465–474

Nauck F, Marckmann G, der Schmitten IJ, Behandlung im Voraus Planen – Bedeutung für die Intensiv- und Notfallmedizin. Anasthesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2018, 53(1):62–70

Petri S, Zwißler B,in der Schmitten J, Feddersen B, Behandlung im Voraus planen – Weiterentwicklung der Patientenverfügung. Anaesthesist (2019) https://doi.org/10.1007/s00101-019-00697-2